Brief an den "inner circle" des Forums:

Liebe Freunde,

Einzelgänger, Wahrheitssucher, Außenseiter sind es, die sich auf den spirituellen Weg machen; Menschen, die Depression,
Verzweiflung und Einsamkeit kennen. Es sind nicht die Mitläufer, die „Normalen“, nicht die Ja-Sager oder Gut-Integrierten.
Oft sind es Randfiguren unserer Gesellschaft, die, die rausgefallen sind, burnout hatten oder verlassen wurden.
Sie machen sich auf den Weg, selbst herauszufinden, was allem Sein zugrunde liegt. Im Gegensatz zu religiösen Menschen,
die einer Lehre folgen, sind die Lehrer, Leerer und Sucher in der „Erleuchtungsbewegung“ Menschen, die forschen und alles,
was sie als nicht wahr erkannt haben, loslassen, abschütteln und hinter sich lassen.

Worauf ich hinaus will, ist, dass es sich dabei eher um Einzelgänger, als um Gruppenmenschen handelt,
wenig konformistische Menschen.

So ist es nicht verwunderlich, dass es so gut wie nie vorkommt, dass sie sich zusammen tun.
Auf der Seite der spirituellen Wegweiser kommen neben einzelnen Lehrern nur noch Mann/Frau Teams vor.
(die sich scheinbar bewährt haben)

Was wir hier mit dem Forum vorhaben, ein wirkliches Miteinander, erscheint mir bei näherer Betrachtung als Quadratur des Kreises.
Spirituelle Lehrer, Aufgewachte und am Erwachen ernsthaft Interessierte wollen zusammen ergründen, was Wir sind,
das Wesen des Menschen und das Wesen Gottes.

Da sich der spirituelle Mensch hauptsächlich dadurch definiert, was er nicht ist, was er als Illusion erkannt hat,
gibt es so gut wie keine konkrete Gemeinsamkeit, durch die sich sonst eine Gemeinschaft definiert.
Die spirituelle Gemeinschaft definiert sich eher durch die Abwesendheit einer Gemeinsamkeit, zum Beispiel einer Tätigkeit,
einer Lehre oder eines Gegenstandes der Beschäftigung. In der Praxis ist oft das einzige Gemeinsame der Guru, der verehrt wird.
Wenn wir jetzt im Forum Enlightenment hergehen und auch noch diesen (den Guru) als Gegenstand entlarfen und eliminieren,
bleibt tatsächlich nur das Nichts selbst bzw das Sein selbst übrig. Da das aber das Wesen von Allem ist, ist ein Forum für „DAS“
komplett absurd und daher nicht umsetzbar.


Jetzt könnte man hergehen und sagen, „ja aber die Liebe, die könnten wir doch in den Mittelpunkt stellen“. Doch dieser
scheint mir von vornherein zum Scheitern verurteilt, da die Liebe, gleich wie das Sein selbst,
das Wesen von Allem ist, und nur erkennbar durch sein Gegenteil, also durch Abwesendheit von Liebe an einer Stelle und
der Abwesendheit von Sein, der Trennung.

Was also wollen wir auf einem Forum Enlightenment?
Wie gesagt, eigentlich fallen mir und all den Menschen, die zugesagt haben, die drei Tage dabei zu sein, fast nur
Negativ-Definitionen ein. Ich höre immer wieder: Bitte dies oder das nicht! ...Die oder Den nicht!...Keine Konzepte,
keine Gefühlsduseleien, keine Therapie, keine Patentrezepte, keine Weltverbesserer, keine Guru-Attitüden, kein Drama,
kein Produzieren, keine Ego-Nummer, kein verordnetes Schweigen, keine Übungen, keine Aggressionen auslassen,
keine Geschichten, und so weiter.... Aber Alles, und ich betone Alles, das sich in einer Form zeigt, ist „nur“ ein ganz kleiner Teil
des Ganzen, vollkommen nichtig und gleichzeitig göttlich. Stinkkäfer und Sternenexplusion, Made und Regenbogen,
Ohrfeige und Kuss. So what?

Ein Vorhaben, bei dem wir versuchen, Gott auf die Bühne zu stellen, muß scheitern.

Ich behaupte an dieser Stelle, dass eine Eigenschaft, die viele von uns hier verbindet, eine mehr oder weniger
unbewußte Vorstellung ist, Etwas oder Jemand müßte gerettet oder befreit werden, weil uns die gleiche Erfahrung zuteil wurde,
uns fremd oder nicht wilkommen in der Welt zu fühlen bzw unverstanden zu sein, oder uns nicht einordnen zu können und
wir dadurch allein waren oder am Rande der Gesellschaft standen und so gibt es eine Instanz in uns, die meint, es gäbe
etwas zu befreien, retten, bergen, zurück zu führen in die Einheit. Wenn nun dieses Allerletzte, was uns gemeinsam zu sein scheint,
wegfällt, wenn wir nun tatsächlich frei sind, erlöst, geborgen, dann gibt es nichts mehr, was uns veranlassen könnte,
hier ein Theater stattfinden zu lassen, bei dem es um Erwachen, Erleichterung oder Ähnliches geht, das sich dadurch definiert,
dass etwas wegfallen soll ...willkommen im Leben!


Ist es denn nicht die konsequenteste Art und Weise das Nichts zu würdigen, indem Nichts stattfindet? Wenn wir den Gedanken,
dass es nichts zu zeigen gibt, zu Ende denken, kann es doch um nichts anderes gehen, als jeden Guruzirkus abzusagen,
nichts zu zeigen, nichts zu sprechen. Die ehrlichste, aufrichtigste Art ein aufgewachtes Sein zu zeigen ist, dass jeder von uns
sein Leben lebt, ohne den Versuch, irgendetwas anderes, als das ganz einfache Leben zu leben. Ein Forum Erleuchtung ist
ein Paradoxon. Es stattfinden zu lassen, bedeutet zu scheitern. Die einzige wahre Form es stattfinden zu lassen, ist
es nicht stattfinden zu lassen. Alles anderes ist Lüge.

Laßt uns also alle Götter beerdigen, damit wir Gott dienen können. Wenn dieses Forum stattfindet, wenn es eine Veranstaltung gibt
im Juli, dann könnte das vielleicht eine Beerdigung sein, ein zu Grabe tragen, ein Totenfest, wir verabschieden uns
von jeglicher Vorstellung des Göttlichen, wir verabschieden uns von jedem Versuch, es auf die Bühne zu bringen,
wir feiern zusammen und essen und tanzen und gehen weiter, einen neuen Weg in die Welt hinein, ohne etwas zu wollen,
ohne Suche, ohne jemand besonderer zu sein, ohne Antworten und beenden ein Unterfangen, das sich auf die Fahnen geschrieben
hatte, irgend eine Wahrheit auf die Bühne stellen.

Wir haben das Ich als Illusion erkannt und laßt uns nun konsequenter Weise Gott, bzw Gott, der ein Etwas ist, als Illusion erkennen
und damit auch den erwachten Menschen.

Fast möge man ausrufen: „Gott ist tot! Es lebe der König!“ Doch noch weniger als einen Gott, möchte ich einen König huldigen.
Laßt uns also, wenn überhaupt, zusammen kommen um eine Totenmesse zu halten.
Nachdem Tod des Ichs, wird nun auch der Tod des Erleuchteten gefeiert.
Ein Fest mit Kunst, Poesie, Musik und vielen, vielen Schweigeminuten.

Wir wollten Gott spielen, Gott sein und sind an unsere Grenzen geraten. Das beste Gottesspiel ist die Welt selbst und der Mensch.
Und wir können es nicht besser machen oder vermitteln. Jeder Mensch lebt in der bestmöglichen Simulation, um sich selbst und
Das zu erkennen und es braucht uns nicht, es braucht keine Vermittler, die sich über andere stellen.

Es gibt nichts zu holen, nichts zu beweisen, nichts zu erklären. Amen.


Wir können weiter versuchen, den göttlichen Menschen auf die Bühne zu stellen. Das Wesen Mensch zu zeigen.
Doch der Mensch an sich zeichnet sich dadurch aus, dass er fehlerhaft ist. Unbewußt und ängstlich ist, vermeidet, anhaftet,
dem Schmerz ausweichen will und recht haben will. Wenn wir den göttlichen Menschen auf die Bühne stellen wollen, kann es
also nur darum gehen, eine bestimmte Kultur zu zeigen, eine Gesprächts- und Verhaltenskultur. Geht es darum vorzuführen,
wie man eine Haltung einnimmt, die geprägt ist von Wahrheitsliebe und Offenheit? Was meint ihr?


Ich freue mich auf eure Antworten und stelle sie auf unsere website.

Malou

Antworten:
Franz:
...Ein „Problem“ bei der Thematik ist, dass sie sich der Sprache entzieht, dass Sprache sich schwer tut, den Stoff zu fassen,
und die Worte immer nur Hinweise bleiben auf etwas, was im eigenen Inneren vollzogen werden muss.


Bei der Vermittlung ist es so, dass man niemanden von irgendetwas überzeugen kann. Jemand muss von sich aus fragen,
den Wunsch haben, dass er oder sie etwas über sich und sein Verhältnis zu Gott und der Welt erfahren möchte.
Wenn man sich in einer Position befindet, wo man das Selbst erkannt hat, und der Wunsch da ist, anderen dieses Wissen
zu ermöglichen, dann kann man darüber reden und vielleicht zunächst nur einen Geschmack davon vermitteln, was möglich ist.


Ein solches Vermittlungs“verhältnis“ ist immer persönlich und hängt vom Gegenüber ab. Deshalb wird in vielen Satsangs
auch Persönliches besprochen, Lebenshilfe geleistet. So habe ich es auch am Anfang erlebt. Schön in einer Gruppe zu meditieren
und von einem Lehrer über das Sein zu hören, auch wenn man nicht alles gleich verstanden hat, hat es doch eine Sehnsucht
gefüttert. Bei den vielen Satsangs und Retreats, die ich als Schüler besucht habe, kam bei mir selbst auch nochmal viel hoch,
was noch Feinschliff brauchte, innere Unruhe, Aggressionen, nicht mehr so heftig wie zu Therapiezeiten in den 80ern und 90ern,
aber doch noch nachzuarbeiten.


Das Forum habe ich erlebt als eine Versammlung von Menschen, die das Selbst bereits kennen oder glauben es zu kennen.
Ich könnte mir vorstellen, dass das Forum eine Plattform sein könnte, sich über die Möglichkeit von Vermittlung auszutauschen,
denn das scheint doch den meisten am Herzen zu liegen. (Niemand gibt Satsang einfach nur, um mit Nichtstun Geld zu verdienen.)

Deine Überlegungen, dass es zum Scheitern verurteilt ist, „Gott auf die Bühne zu stellen“, sind ja zunächst ganz naheliegend.
Natürlich kann man Gott nicht objektivieren, nur immer wieder zurück kommen zu dem, was „Ich" ist und was selbst noch „hinter“
dem Ahamvritti, diesem Gedanken „ich bin“ liegt. Wenn erkannt ist, was das Selbst ist, wird auch Liebe unpersönlich,
das Dazugehören von allem, weil alles Ich ist. Bei dieser Liebe gibt es keine Abwesenheit, nur ständige Anwesenheit;
sie ist gleich mit Bewusstsein, das auch nicht individuell und unbegrenzt, immer anwesend, ist.


Du sagst, es braucht keine Vermittler, die sich über jemanden stellen. In dieser Form stimme ich dem zu, wir brauchen wirklich
niemanden, der sich über jemanden stellt. Aber Vermittler werden gebraucht. Ich selbst habe Vermittlung gebraucht.
Ich sehe die unterschiedlichen Lehrer durchaus als hilfreich an für die persönliche Entwicklung. Vedanta habe ich schon vor etwa
zehn Jahren kennen gelernt, konnte damals aber nichts damit anfangen und fand es zu kopfig. Ich habe dann auch erst mal
Stillwerden, Fühlen, Gemeinschaft usw. gebraucht. Danach erst war Selbsterkenntnis möglich. Und diese Selbsterkenntnis
hat auch Vermittler gebraucht, denn nur vom Hinsetzen und „Wer bin ich?“-Fragen wäre ich nicht drauf gekommen.
Wenn ich keine Hinweise habe, wo ich suchen soll, kann ich mir diese Frage lange stellen. Selbst Ramana Maharshi hat
diese Frage nicht ohne einen Hintergrund für sich beantworten können, er war durchaus in den Veden gebildet.
Insofern braucht es einen Gu-ru, einen Beseitiger der Dunkelheit, wie das Wort sinngemäss übersetzt heisst.

Jens:
Radikal frei - das unmoderierte Feld
Als ich 2013 zum ersten Mal am Forum teilnahm, war ich begeistert von der Idee eines freien, unmoderierten Feldes
des Bewusstseins zum Thema "Erleuchtung". Was sich in diesen drei Tagen auf natürliche Weise zeigte war Mensch-Sein
in all seinen Facetten - jenseits von Erleuchtung oder nicht-Erleuchtung. Vielfach zeigten gerade die vermeintlich erwachten Lehrer
Seiten ihrer selbst, die man solchen Menschen nicht zugetraut hätte - im Positiven wie im Negativen.
Es war in jeder Hinsicht eine extreme Erfahrung, die mich (nicht zuletzt) ein Jahr später dazu brachte,
mich wieder für die Öffentlichkeit und Satsang zu öffnen.
Mir ist es wichtig, dass sich ALLES im Feld des Forums zeigen kann - gerade Kontroversen sind sehr fruchtbar!
Gleichzeitig sollte die Zeit für Solo-Vorträge (Impulsvorträge) sehr begrenzt sein um sich danach wieder der Gesamtheit des Feldes
zu öffnen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns auch 2017 wieder mit vielen Menschen in diesem Feld der Bewusstwerdung
zusammenfinden könnten. Im Namen der Freiheit, des Feldes und der Erleuchtung!
Infos über Sathya Jens unter
www.mario-nette.de
...







Ab Oktober 2016 gibts einmal im Monat das "Theater des Augenblicks"






Frage: Kannst du etwas zu dem Motto "Aus der Stille in die Kraft" sagen? Malou: Ob im spirituellen Sinne aufgewacht oder nicht, so viele Menschen fühlen sich energielos, sind nicht friedlich in ihrer Interaktion oder unklar,
wie sie am besten für sich und andere handeln. Wenn ein Handlungsimpuls aus der St
ille kommt, dann basiert er auf Klarheit, Frieden und Verbundenheit. Eine völlig andere Qualität. Beim Forum Erleuchtung ging es vier Jahre lang um das spirituelle Aufwachen, zu Erkennen, dass wir DAS sind.
Viele Menschen haben diesen Shift der Identifikation vollzogen, vom „Ich bin dieser Körper-Mind-Gefühle-Organismus“ hin zum „Ich bin....“

ewig, alles, nichts... „Aus der Stille in die Kraft“, mit diesem Motto möchte ich quasi ein Signal setzen in der spirituellen Szene, vom Berg wieder herunter zu kommen,
in die Welt, und das Handeln in der menschlichen Form in den Fokus rücken.
Dass wir in Wirklichkeit DAS sind, oder Alles oder Nichts, ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte der Wahrheit ist, dass wir alle Mensch sind,
vergänglich und begrenzt. Mich interessiert, was es bedeutet, in vollem Umfang und bewußt Mensch zu sein, in dem jeweiligen body-mind-Organismus
und in dieser Welt, fest verankert in der Stille! 
Wenn wir uns als ewig und die Stille als Quelle erkannt haben, uns mit einander verbunden fühlen, und die spirituelle Suche beendet ist,
können wir ganz anders in der Welt agieren. Handeln aus der Stille ist klar, ausgerichtet und kraftvoll. Wenn wir emotional oder energielos sind, ist das ein Zeichen die Stille aufzusuchen. Sich dem zuzuwenden, was ist, hier und jetzt.
Wenn wir uns sozusagen „durchfühlen“ durch die Schichten aus Emotion und Gedankengespinsten, sind wir Ruhe, Frieden und Geborgenheit.
Genährt können wir dann Impulsen folgen, die aus der Quelle kommen und nicht aus dem persönlichen Ich. Frage: Wie hängen das Absolute und das Relative (die Form) zusammen? Was hat Heilung und aufgewachtes Sein miteinander zu tun? Malou: Alles, was aus dem Ewigen, Formlosen auftaucht, eine Gestalt an
nimmt, ist in Bewegung. Blühen, wachsen, sich verbinden, fließen, leben,
sich in der jeweiligen Gestalt ausdrücken... Wenn das mit Vertrauen und Hingabe geschieht, gibt’s kein Problem. Sowie der Fluß fließt,
ohne dass im jemand gesagt hätte, wohin er fließen muss oder der Zugvogel fliegt, so wie es für ihn vorgesehen ist.

Doch wenn sich ein „Ich“ dazwischen schiebt, eine Identifikation entstanden ist, mit dem Verstand, den Gefühlen und/oder dem Körper,
dann kann es zu Problemen kommen. Die Ursachen von Leid sind Vermeidung, Anhaftung und Unwissenheit.
Ein erwachter Mensch kann bei sich und anderen diese Mechanismen erkennen und helfen, sich dieser bewußt zu werden, um sie loszulassen,
damit der natürliche Fluss wieder ungehindert fließen kann. Das bedeutet keine fatalistische Unfreiheit, sondern die Freiheit, der Energie zu folgen. Das Formlose und die Form sind immer gleich vorhanden. So lange es etwas gibt, das wahrnimmt, gibt es Form. Und wenn es Form gibt,
gibt es auch das Formlose, ausdem es auftaucht und woraus es ursächlich besteht, nämlich Nichts.
Wir haben erkannt, dass die Form Illusion ist, ebenso wie ein Traum, ein Computerspiel und eine Sonate von Bach und doch ist alles existent.
Gleichzeitig existent und nicht existent! Für den, der ich eigentlich bin, DAS, gibt es das alles nicht wirklich.
Und für mich, als in Zeit und Raum verortetes Wesen ist es alles existent, solange ich auf dieser Ebene agiere.
Alles eine Frage der Ebene. In der Energetik, der Lehre vom Zusammenhang von Energie und Materie, kann man sich gleichzeitig auf beiden Ebenen befinden.
Ich kann in einer Heilungssession meine Hand am Bauch des Klienten haben und die Verspannungen fühlen und mich mit ihm sozusagen hineinauflösen
in das weite, stille, ewige Feld und ihn damit daran erinnern, was er eigentlich ist. Liebe, Frieden, Leere, …

Eine Haltung von Dankbarkeit und Hingabe ist die beste Einladung für Heilung, die von selbst geschieht.

Malou